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Tennis zwischen Hoch- und Populärkultur: Sportperformances zwischen Theatralität und Politik 

Johannes Gutenberg-Universität Mainz, 8.-9. Mai 2026

Der Ballsport Tennis blickt auf eine lange Kulturtradition zurück, die bis auf französische Klöster im Mittelalter zurückzuführen ist. Dabei wurde das Tennisspielen immer schon genutzt, um über die Freizeitgestaltung hinaus mit Hilfe sozialer Distinktionen gesellschaftliche Abgrenzungen beziehungsweise Zuordnungen zu konstruieren. Die Verknüpfung der Bereiche Tennis, Politik und Theater geht bereits auf den Bau der Ballhäuser zurück. Primär für das Tennisspielen gebaut, wurde Jeu de Paume beispielsweise 1789 durch den Ballhausschwur ein Synonym für den historischen Verlauf der französischen Revolution. Häufig umgebaut zu Theatern, wurden Ballhäuser ab dem 19. Jahrhundert auch als Bezeichnung für Tanzsäle oder Tanzlokale genutzt.

Das Symposium, welches vom 8.-10. Mai 2026 als Kooperation zwischen dem Deutschen Tennisbund, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Institut für Film-, Theater-, Medien- und Kulturwissenschaft) und dem TSC Freispeed Bodenheim e.V. geplant ist, setzt sich zum Ziel, diese historischen und gegenwärtigen Verbindungen von Tennis, Politik und theatralen Phänomenen zu untersuchen.
Dabei rückt Tennis als Individualsport die Image-Konstruktion von Profi-Sportler*innen ins Zentrum, wobei hier die Vermarktung auf Instagram an Bedeutung gewinnt. Welche Inszenierungsstrategien nutzen Tennis-Stars auf Social Media? Welche Verbindung gehen die Bereiche Musik und Mode bei der Vermarktung ein? Wenn Serena Williams neben Kendrick Lamar bei der Super Bowl Halftime Show 2025 den Crip Walk performiert, dann steckt dahinter eine komplexe Kulturgeschichte, zu der neben der Tennis-Legende Althea Gibson, die 1957 als erste schwarze Person in Wimbledon Kulturgeschichte schrieb, auch Suzanne Lenglen gehört, die in den 1920er Jahren die Tennis-Mode revolutioniert, und damit wie Williams heute (etwa mit ihrem Kompressionsdress), feministische Diskurse auslöste. Wie ist die Zusammenarbeit zwischen Tennis-Profis und Modeschöpfer*innen kulturhistorisch und gesellschaftskritisch einzuordnen? Welche Rolle erhält Damen-Tennis-Mode in feministischer Modegeschichte? Inwiefern kreierte Tennisspieler René Lacoste mit dem Polohemd eine Luxusmode, die sich bewusst an einkommensstarke Gesellschaftsschichten richtet? Und wie
wird dies heute von Rap-Musik aufgebrochen, so durch Songs wie Gauner in Lacoste von Rapper Luciano oder der französischen Rap Gruppe Ärsenik? Welche Rolle spielt Tennis in Popmusikvideos? Exemplarisch bei Martin Solveigs and Dragonettes Song Hello von 2010 oder in Musik der Werbevideos von Sportmarken wie Andre Agassis Nike Rock `N‘ Roll Tennis von 1991?
Im Tennissport wird Hochkultur durch striktes Reglement der Tennisregeln aber auch durch Kleiderordnung konstruiert, lässt sich das mit der bürgerlichen Identitätskonstruktion im Konzerthaus der klassischen Musik gleichsetzen? Wie und zu welchem Zweck wird Tennis in den Künsten abgebildet? Zum Beispiel im Bereich des Theaters (William Shakespeare Heinrich V. 1599) im Bereich der Malerei (George Goodwin Kilburne A Game of Tennis 1882), im Bereich des Balletts (Debussy Jeux 1912), im Bereich der Poesie (John Ashbery The Tennis Cour Oath 1957) oder aber im Bereich der künstlerischen Avantgarde (Robert Rauschenberg Open Score 1966)?
Welche theatralen Elemente nutzen Tennis-Turniere, um gesellschaftliche Relevanz vor, während und nach der Show zu generieren? Welche politische Motivierung liegt hinter der Inszenierung des Six Kings Slam, die 2024 erstmals ausgetragen wurde? Welche Zielgruppe wurde in dem Werbevideo für 2024 Six kings, one throne anvisiert, und welche Motivation verbirgt sich hinter der Ähnlichkeit zur Serie Game of Thrones? Inwiefern wird mit der Multi- Media Show des Turniers von 2025 eine popkulturelle Zielgruppe bedient? Inwiefern wird im Zuge von Tennis-Events eine nationale oder elitäre Identität konstruiert, welche Bedeutung haben beispielsweise die Namen von Stadien oder Events wie Roland Garros oder dem Davis Cup?
Sagen Individualsportarten etwas über unser Demokratie-Verständnis aus? Inwiefern steht der Tennis-Sport für Ideale von Gleichheit und Inklusion? Welche Erkenntnisse bringt eine Analyse des Rollstuhl-Tennis im Rahmen theatraler und performativer Rahmung, beispielsweise in Bezug auf Autonomie, mit? Welche gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen hat eine Performance des Tennis-Olympia-Siegers Novak Djoković, in einem Rollstuhl-Tennis-Match?
Und schließlich gilt es zu untersuchen, welche ökonomischen Chancen die Vermarktung des Tennis-Sportes in der Verbindung von Tennis, Musik und den anderen Künsten bietet. Inwiefern kann der Tennissport in Deutschland mithilfe kulturpolitischer Zukunftsstrategien gefördert werden und als Individualsport wichtig für die Verankerung eines Demokratieverständnis in der Gesellschaft sein?
Das Symposium richtet sich an Wissenschaftler*innen unterschiedlicher Disziplinen, beispielweise aus Musik-, Theater-, Tanz- und Medienwissenschaften, Sportwissenschaft, Sportökonomie, Sportmanagement, Politikwissenschaften, Kulturanthropologie etc. Geplant sind Vorträge im Umfang von 20 min. Ein Tennis-affines Rahmenprogramm und eine Publikation sind geplant.

Bitte senden Sie einen Abstract mit ca 250 Wörtern und einer kurzen Biografie von 120 Wörtern bis zum 15.1.2026 an cfpetry@uni-mainz.de

Organisation: Dr. Clara-Franziska Petry (Johannes Gutenberg-Universität Mainz)

Dissertationspreis 2025 der Kulturwissenschaftlichen Gesellschaft

Die KWG schreibt zum vierten Mal den Dissertationspreis für hervorragende kulturwissenschaftliche Arbeiten aus.

Mit dem Preis wird eine exzellente kulturwissenschaftliche Dissertation ausgezeichnet. Die Arbeit soll zur Selbstreflexion und Neuorientierung der Kulturwissenschaften beitragen, insbesondere durch die kritische Auseinandersetzung mit kulturwissenschaftlichen Fragestellungen und Ansätzen, durch die Herstellung von konkreten Bezügen zu gesellschaftlich relevanten Themen im Austausch mit internationalen Wissenschaftsdiskursen oder durch die Aufarbeitung der eigenen Tradition der Kulturwissenschaften im Verhältnis zu aktuellen Theorieimporten.

Bewerbungs- und Auswahlverfahren:

  • Bewerben können sich Personen, deren Promotionsverfahren zwischen Mai 2023 und April 2025 abgeschlossen wurde. Die Dissertationsschrift kann deutsch- oder englischsprachig sein.
  • Bitte reichen Sie folgende Bewerbungsunterlagen in einem einzigen PDF-Dokument ein: Anschreiben, Lebenslauf, Kurzfassung der Dissertationsschrift (5.000 Zeichen), alle Gutachten des Dissertationsverfahrens sowie ein Exemplar der Dissertationsschrift als separates PDF.
  • Preis: Förderung der Druckkosten für die Publikation der Dissertation in der Schriftenreihe „Studien der Kulturwissenschaftlichen Gesellschaft“ des transcript-Verlags.
  • Die Jury setzt sich aus Vorstandsmitgliedern der KWG zusammen.
  • Bewerbungen von Mitgliedern der KWG werden besonders begrüßt.
  • Die Preisverleihung erfolgt im Rahmen der 9. Jahrestagung der Kulturwissenschaftlichen Gesellschaft vom 18-20. September 2025 an der Universität Regensburg.
  • Bewerbungsschluss ist der 30. April 2025 (Eingang der E-Mail inkl. aller Anhänge).
  • Ihre Bewerbung senden Sie bitte per E-Mail mit der Betreffzeile: »KWG-Dissertationspreis: Bewerbung« an die Geschäftsstelle der KWG.

Scholars at Risk-Programm der KWG

The KWG is committed to supporting scholars-at-risk who face challenges in pursuing their research and academic endeavors. Our Scholars-at-Risk Program aims to provide financial assistance to scholars who find themselves in difficult circumstances, enabling them to continue their academic pursuits, participate in conferences, and engage with the scholarly community.
 
Through the KWG Scholars-at-Risk Program, eligible scholars may apply for financial assistance up to 1000 € per person.
 
Application Opening Date: 1 April 2025
Application Deadline: 31 May 2025
 
KWZ-Schwerpunktheft »Geistesgegenwart und Nachdenklichkeit. Kleine Formen der Intervention«
 
Wenn kleine Formen typischerweise ›Zwischenräume‹ ausloten, dann stellen sie geradezu per definitionem – im Wortsinne – ›Interventionen‹ dar. Indem sie die äußerlichen Bedingungen ihres Erscheinens in eine produktive Unterbrechung transformieren, konstituieren kleine Text- und Bildformate nach der Ausgangsüberlegung dieses Schwerpunktheftes ein Spielfeld, auf dem ein Umschlag von Zeitdruck in Zeitvertreib, von Effizienz in Emergenz stattfinden kann. Die Beiträge des KWZ-Schwerpunktheftes unternehmen je auf ihre Weise den Versuch, die vielfältigen Modi, in denen kleine literarische Formen sich auf Gegenwart beziehen und ihren eigenen Zeitbezug reflektieren, um in Prozessen und Diskursen zu intervenieren, im Ausgang von Benjamins ›Geistesgegenwart‹ und Blumenbergs ›Nachdenklichkeit‹ zu theoretisieren.
 
Verfügbar im Open-Access unter diesem Link.
Neuerscheinung: »Die Erfahrung des Sprichworts«
  
Jean Paulhan (1884-1964) stand als Chefredakteur der Nouvelle Revue Française fünfzig Jahre lang im Mittelpunkt des literarischen und intellektuellen Lebens in Frankreich. Sein eigenes literarisches und essayistisches Werk aber, zu dem die hier erstmals auf Deutsch vorliegenden ethnographischen Texte zählen, gilt es noch zu entdecken. Paulhans Untersuchungen madagassischer Sprichwörter (ohabolana) und Gedichte (hain-teny) inspirierten nicht nur die französischen Surrealisten und das Collège de Sociologie. Sie bilden auch die wichtigste Quelle der literaturtheoretischen Reflexionen, die 1936 in Paulhans Hauptwerk Die Blumen von Tarbes mündeten. Nachdem Paulhan von 1908 bis 1910 als Lehrer in der damaligen französischen Kolonie Madagaskar gelebt hatte, kam er über dreißig Jahre hinweg in immer neuen Essays und Vorträgen auf seine Erfahrungen mit der Sprache und Kultur dieses Landes zurück. Die vorliegende Sammlung seiner ethnographischen Abhandlungen erlaubt die andauernde Faszination der oralen Dichtung Madagaskars und ihre Bedeutung für Paulhans Wiederentdeckung der Rhetorik nachzuvollziehen. Dabei sind seine Essays nicht allein als Zeugnisse seiner kritischen Auseinandersetzung mit den ethnozentristischen Theorien der Ethnologie seiner Zeit von andauerndem Interesse. Als geradezu frappierend aktuell erweist sich die Verwobenheit narrativer und reflexiver Elemente in Paulhans Auseinandersetzung mit der epistemologischen Problematik eines Zugangs zu fremdkulturellen Sprach- und Denkformen.
 
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